Portrait Volkhard Precht

Vp Am Ofen 960 — Portrait Volkhard Precht

Volkhard Precht, geboren 1930 – †2006, gehört zu den Pionieren des Studioglas in Europa. Nach einer Ausbildung zum Lampenglasbläser und der Mitarbeit in den Werkstätten seines Vaters Ernst sah er bestimmte Grenzen der Lampenglastechnik und traf eine mutige Entscheidung.

Seine künstlerische Arbeit beschäftigte sich damals mit Vollglasplastiken, die vor der Lampe gefertigt zu groß zum Erhitzen, Bearbeiten und Kühlen geworden waren. Die sinnfällige Alternative am alten Hüttenstandort Lauscha war das Hüttenglas. Große gasbefeuerte Unteröfen befanden sich im Untergeschoss der Glashütten; die Tiegelöfen mit ihren vier, sechs oder acht offenen Arbeitsöffnungen eine Etage darüber. Ein hektisches Treiben aus Röhren- und Stäbeziehern sowie Kölbelmachern, Einbläsern und Einträgern, die mit der Produktion von kunsthandwerklichen Serienprodukten beschäftigt waren, ließ an eine freie künstlerische Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Glas kaum denken.

Prechts Vision war ein eigener Schmelzofen in der heimischen Werkstatt. Mit Tipps von Glasmachern aus der Region baute er 1963 den ersten Ofen im Keller seines Geburtshauses auf dem „Schlossershügel“, dem heutigen Steinheider Weg. Abgeschottet durch den Eisernen Vorhang und ohne Kenntnis der Entwicklungen in den USA entstand so – bereits ein Jahr nach dem Toledo-Workshop, bei dem sich Littleton und Labino kennenlernten – 1963 die erste Studioglashütte in Europa.

Erwin Eisch, den Littleton 1962 in Zwiesel kennenlernte, baute 1965 seinen Studioglasofen im Untergeschoss der Glashütte der Familie Eisch. Viele weitere folgten weltweit in den nächsten Jahren und gaben den Startschuss für die Entwicklung einer freien, künstlerischen Auseinandersetzung mit einem der industriell und kulturell bedeutendsten Werkstoffe der Menschheitsgeschichte.

Prechts frühe Ofenglashütte in Lauscha steht damit am Anfang einer lokalen Studioglastradition, die später in den Glassymposien, im Museumsbestand und im Jubiläumsprojekt „50 Jahre Studioglas in Europa – Impulse aus Lauscha“ fortgeschrieben wurde. Sein Weg vom Lampenglas zur eigenständigen Hüttentechnik zeigt, wie in Lauscha unter erschwerten Bedingungen ein europäischer Beitrag zur Studioglasbewegung entstand.

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